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im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

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Teil 1 Große Texte der Bibel I:
Überblick Altes Testament
Einheit 12 Der wunderbare Trost der Gegenwart Gottes
Von Karl Wlodarek
lesen Psalm 139

Gelber Bleistif

lernen

Psalm 139 sind Gedanken eines Menschen, der die Gegenwart Gottes als Einengung erlebt hat. Wir erfahren durch dieses Bekenntnis, wie sinnlos es ist, vor dem allgegenwärtigen Gott fliehen zu wollen. Der bessere Weg ist die Flucht zu ihm hin (Augustinus).

erklären

V 1 - 6: Herr, du erforschest mich und kennest mich. David, der Psalmist, weiß sich von Gott bis in die Tiefen seiner Seele erkannt. Das löst in ihm nicht nur Gefühle der Geborgenheit aus, wie es die Lutherübersetzung (V 5) nahelegt. Im Gegenteil: Es fällt ihm schwer, mit dieser Erkenntnis zu leben. Er kommt sich vor wie ein Vogel im Käfig (J. Zink), der aus dieser Enge entfliehen möchte, der sich nach Freiheit sehnt. Die Einheitsübersetzung lautet in Vers 5: "Von hinten und von vorn hast du mich eingeengt und hast deine Hand auf mich gelegt" (vgl. auch Ps 32, 4). Dass der ewige Gott ihn so eingefangen hat und festhält, übersteigt andererseits auch wieder seine Vorstellungskraft.

V 7 - 12: Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Das sind Fragen, die in David phantastische Vorstellungen auslösen. Wenn man in die höchste Höhe, bis zum Himmel aufsteigen könnte (V 8a), wäre das nicht eine Möglichkeit, Gott loszuwerden? Aber im Himmel ist er erst recht gegenwärtig. Bietet vielleicht die tiefste Tiefe bei den Toten eine Zuflucht? David schiebt diesen Gedanken sofort von sich. Auch Selbstmord befreit nicht aus Gottes Hand (V 8b). Ja selbst wenn man mit den Flügeln der Morgenröte (wir würden sagen: mit Lichtgeschwindigkeit) zum Ende der Welt eilen könnte, dem Zugriff des Allgegenwärtigen entgeht niemand (V 9 - 10). Nicht einmal Finsternis wäre imstande, einen Menschen, der Gott entfliehen will, zu verbergen, weil dem Schöpfer alles dienen muss (V 11 - 12). Alle Fluchtwege führen letztlich vor sein Angesicht (Lamparter). Den Raum der unendlichen Gegenwart Gottes kann niemand verlassen (vgl. Jes 45,7).

V 13 - 18: Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Diese plötzliche Wendung im Gebet überrascht uns. Kann denn ein Mensch so schnell aus der Angst vor Gott zum Gottvertrauen finden? Vielleicht. Bei David ist es nicht so. Seinem Dankgebet geht eine gründliche Besinnung voraus: Du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe (V 13). Was will der Psalmist damit sagen? In der Vorstellung der alttestamentlichen Frommen waren die Nieren Sitz der Gemütsbewegungen. (Noch heute sagen wir manchmal: "Das geht mir an die Nieren.") Eine andere Übersetzung dieser Bibelstelle lautet: "Du hast mein Inneres bereitet." Was David zur Besinnung bringt, ist die Überlegung: Ich bin doch von Gott so geschaffen, wie ich bin. Er hat mich gewollt, hat ja zu mir gesagt. Wie ein Künstler seine Vision in seinem Werk verwirklichen will, so will mein Schöpfer mit mir zu seinem Ziel kommen. Deshalb lässt er mich nicht einfach laufen. Ich komme in seinem Plan vor. Sogar meine Lebenszeit ist bei ihm festgeschrieben (V 16 b). David kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er kann nur noch danken und anbeten und tritt darin unmerklich die Flucht nach vorn an. Das große Missverständnis, Gott enge ihn ein, belaste sein Leben, ist jetzt überwunden. Mit den rätselhaften Gedanken seines Schöpfers kommt er zwar an kein Ende, aber er weiß sich jetzt in Gottes Gegenwart geborgen (vgl. V 17 und 18 in der Bibel in heutigem Deutsch und Jes 55, 8-9). Was nun folgt, ist für uns schwer verständlich:

V 19 - 24: Ach Gott, wollest du doch die Gottlosen töten! Wie kann ein Mensch, der Gott so erfahren hat wie David, schon wieder Hassgedanken haben (V 22)? Wie passt diese Bitte zu der Erkenntnis, dass jeder Mensch eine besondere Schöpfung Gottes ist? Bekommt der religiöse Fanatismus hier wieder die Oberhand, der denen, die in ihrem Unverstand Gott ablehnen, die Lebensberechtigung abspricht? Soll der barmherzige Schöpfer hier zum Scharfrichter werden? Wir können uns diese plötzliche Wendung im Gebet Davids nur so erklären, dass er sich mit dieser Bitte ganz auf Gottes Seite stellen will. Gottes Feinde sollen auch seine Feinde sein. Die Missachtung der Heiligkeit Gottes lässt ihn nicht kalt. Er weiß offensichtlich seine Dankbarkeit nicht anders auszudrücken. Dass er darin unsicher ist, sich selbst misstraut, zeigt der Schluss dieses ergreifenden Psalms. Die Flucht zu Gott hin hat ihn demütig gemacht. Jetzt möchte er, der sich in Gottes Allgegenwart geborgen weiß, dass der Herr ihn in seinen Gedanken und Plänen überwacht und die Führung übernimmt (V 23 - 24).

bündeln

Indem David über sein Leben nachdenkt, fühlt er sich von Gott bis in die Tiefen seines Wesens durchschaut.

Er empfindet diesen Zustand auch als einengend und nicht nur als Schutz. Er möchte ihn am liebsten durch die Flucht beenden.

Aber alle Möglichkeiten, die er überlegt, erweisen sich als Illusion, weil kein Mensch einem allgegenwärtigen Gott entkommen kann.

Schließlich besinnt sich David darauf, dass er selbst ein wunderbares Geschöpf ist, das der Schöpfer gewollt hat.

Er flieht, indem er Gott dankt, zu ihm hin und findet Trost und Geborgenheit.

vertiefen

  1. Der Psalm beschreibt Gottes Handeln im Leben Davids. Was hat Gott alles getan?
  2. Welche Vorstellung hatte David von Gott, als er fliehen wollte?
  3. Welche Beziehung hatte David zu seinem Gott? Wie empfindet Ihr dieses sehr persönliche Gebet?

anwenden

  1. Fast 3000 Jahre sind vergangen, seit Psalm 139 entstand, aber noch immer bewegen uns diese Worte, wenn wir sie lesen. In manchen Kirchenliedern haben sie Eingang gefunden (z. B. Gemeindelieder 382). Warum ist das so?
  2. Wie kommt es, dass nicht wenige Christen, bewusst oder unbewusst, Gottes Allgegenwart als belastend empfinden? Könnte es die Folge einer Erziehung sein, die ein falsches Gottesbild hat und vermittelt? Welches Gottesbild vermitteln wir in unserer Gemeinde?
  3. Was versuchen Menschen heute, um von Gott wegzukommen? Gibt es auch eine Flucht in die Religiosität?
  4. Was kann uns heute helfen, in der Allgegenwart Gottes Trost und Geborgenheit zu finden? Welche Bedeutung hat Jesus Christus in diesem Zusammenhang?
  5. David ist in seinem Gebet davon überzeugt, ein wunderbarer Gedanke seines Schöpfers zu sein. Kann man diese Aussage verallgemeinern? Gilt sie auch bei Schwerbehinderten?
  6. Romano Guardini schreibt: "Wenn ich im Geheimnis Gottes heimisch werde, findet mein Leben seinen Sinn." Was wäre dieses "Geheimnis"? Versucht eine Antwort in Ps 139 zu finden.
  7. Was ist für mein Leben und meinen Glauben wichtig? Beim Lesen des 139. Psalm beeindruckt mich, dass die Ich-Du-Beziehung zwischen dem Beter und Gott, trotz aller Fluchtgedanken, bleibt. Ich möchte so immer beten können, auch dann, wenn ich vieles in meinem Leben nicht verstehe.
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Dr. Gyburg Beschnidt; Missionarische Gemeindedienste im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
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