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im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

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Teil 2Große Texte der Bibel II:
Überblick Neues Testament
Einheit 22Schuldig - trotzdem freigesprochen
Von Wolfgang Buck
lesenRömer 3, 21 - 31

lernen

Viele religiöse Bewegungen gehen davon aus, dass der Mensch in seinem Keim gut (oder sogar göttlich) und nur von den Umständen verdorben sei. Er habe eine natürliche Anlage, Gott zu lieben und zu verstehen; und er habe auch die Kraft, sich zu Gott zu wenden, wenn er nur wolle.

Paulus dagegen weist im Römerbrief das Gegenteil nach: In 1, 18 - 3, 20 zeigt er in aller Schärfe, dass weder Nicht-Juden noch Juden in der Lage sind, einen Heilsweg zu finden oder gar zu gehen, um mit ihrem Schöpfer in Harmonie zu leben. Zwischen dem heiligen Gott und den Menschen steht Schuld, deshalb gilt ihnen allen der Zorn Gottes (1, 18). Und nur wer diesen Zorn Gottes ernst nimmt, kann auch seine Gnade verstehen. Deshalb darf die Beschäftigung mit unserem Text nicht zu einem religiösen Sandkastenspiel werden. Die Gnade Gottes bleibt das überraschende Wunder.

erklären

V 21: Nun aber... Mitten in dieser ausweglosen Lage aller Menschen greift Gott selbst ein: Es beginnt ein neues Zeitalter, in dem Gott seine Gerechtigkeit durchsetzt, als Jesus Christus am Kreuz die Strafe erleidet und den Menschen damit den Freispruch ermöglicht. Das geschieht ohne Zutun des Gesetzes, also nicht als Folge eines besonderen gesetzestreuen Verhaltens. Bezeugt durch ... : Im Grunde nichts Neues, löst doch Gott damit uralte Zusagen ein (vgl. Jer 31, 31)!

V 22: Noch einmal: Nicht, wer besonders fromm lebt, wird am Ende belohnt, sondern wer an Jesus Christus glaubt, denn: alle Menschen sind vor Gott in derselben verzweifelten Lage.

V 23 - 24: Alle haben gesündigt... Paulus fasst noch einmal 1, 18 - 3, 20 zusammen, um dann das Zentrum des Evangeliums zu sagen: V 24!

Unser Abschnitt enthält eine Fülle versteckter Andeutungen auf alttestamentliche Zusammenhänge, die wir berücksichtigen müssen:
Welche Herrlichkeit haben wir verloren? Manche Ausleger denken hier schnell an die Gottebenbildlichkeit (l. Mose 1, 27), die Adam durch den Sündenfall angeblich verloren habe (vgl. aber Ps 8, 5 - 6). Aber vielleicht meint Paulus es hier viel schlichter: "Wenn wir vor uns sähen, wie Gott uns gedacht und gewollt hat! Dann würde uns erst mit Erschrecken klar werden, wie verschmutzt und entstellt, wie verkrüppelt und verdorben wir durch die Sünde sind" (de Boor).

Erlösung erinnert jeden Juden sofort an die Urerfahrung Israels: den Loskauf aus der ägyptischen Knechtschaft. Jesus erlöst uns, indem er uns aus der Knechtschaft der Sünde loskauft - durch sein Blut (V 25; vgl. Eph 1, 7).

V 25: Dieser Vers ist in seiner knappen Form kaum auf Anhieb zu verstehen. Deshalb versucht z. B. die "Gute Nachricht", hier bereit erklärend zu übersetzen. Was meint Paulus? Wieder können wir alttestamentliche Anspielungen sehen.

Sühne in seinem Blut: Was im Luthertext so schlicht aussieht, erinnert im Grundtext ganz stark an die Begriffe des großen Versöhnungstages (3. Mose 16). Deshalb übersetzt z. B. die Elberfelder Bibel "Sühne" mit "Gnadenstuhl". Gemeint ist der Deckel der alten Bundeslade: Dort erschien Gott, wenn er mit Mose redete, auf diesen Deckel wurde das Blut des Opfertieres gespritzt (3. Mose 16, 14) und von diesem Ort ging die Versöhnung aus. Wenn Paulus diesen gefüllten Begriff hier verwendet, dann meint er. Nicht mehr der Deckel der alten Bundeslade ist der Versöhnungsort, sondern das Kreuz Christi. Nicht mehr das Blut des Opfertieres zählt, sondern das Blut Christi. Diese Erlösung geschieht auch nicht mehr in der Verborgenheit des Allerheiligsten, sondern öffentlich (hingestellt) am Kreuz. Auch geschieht sie nicht durch einen Priester, sondern durch den Glauben. Und Gott selbst ist nicht mehr am alten Heiligtum zu finden, sondern offenbart sich am Kreuz! "Außerhalb dieser einen Stätte 'enthüllt sich (nach wie vor!) der Zorn Gottes vom Himmel her über jede Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen' (Röm 1, 18)" (de Boor). Auch der nächste Gedanke knüpft an die Tradition von 3. Mose 16 (besonders V 21 ff .) an:

V 25b - 26: Die Sünden des Jahres ließ man im alten Israel "anstehen" bis zum großen Versöhnungstag. Genau dieses Wort benutzt Paulus für die Sünden, die vor Christi Tod begangen wurden: Gott lässt sie in seiner Nachsicht "anstehen" bis zum Kreuzestod Christi; Luthers Übersetzung (vergibt) ist leider nicht ganz richtig. So ist für Christen der Karfreitag der große Versöhnungstag des neuen Bundes!

V 27: Rühmen. Mit diesem - heute missverständlichen - Wort meint Paulus das stolze Selbstvertrauen eines Menschen, der immer noch glaubt, mit Leistungen bei Gott Eindruck machen zu können (vgl. 1.Kor 1, 29).

Es ist ausgeschlossen. Diese Redeweise im Passiv ist jüdisch und meint: Gott hat das Gesetz ausgesperrt, das dem Menschen die Berufung auf eigene Werke erlaubt. Das Gesetz des Glaubens hingegen ist die neue Heilsordnung.

V 28: Diesen Vers sollte man auswendig lernen. In äußerster Knappheit fasst Paulus seine bisherigen Gedanken zusammen. Immer noch spürt man, wie stark sich seine Gegner auf ihre Gesetzesfrömmigkeit beriefen.

V 29 - 30: Nimmt man V 28 wirklich ernst, dann gilt dieser Satz wirklich für alle Menschen, also auch für Juden. Dann hat Israel keinen Sonderweg zum Heil, sondern nur den Weg des Glaubens an Jesus Christus.

V 31: Wenn das Gesetz nicht zum Heil führt, was soll es dann? Es ist wichtig, um dem Menschen zu zeigen, wie Gott ihn eigentlich gewollt hat und wie weit er davon entfernt ist. Insofern ist es notwendiger Spiegel, um die eigene Schuld und auch die Größe der Gnade zu verstehen.

bündeln

Kein Mensch kann durch eigene Anstrengungen etwas zu seinem Heil tun. Es gibt auch keinen guten Kern und keine besondere Antenne zu Gott. So ist uns auch der übliche Weg der Religionen verwehrt, Gott durch fromme Leistungen zu beeindrucken.

Deshalb stehen alle Menschen unter dem Zorn Gottes, ob sie es wissen (wollen) oder nicht.

Jesus Christus erst bringt die - im Alten Testament lange vorausgesagte - Wende, indem er die Schuld der Menschheit auf sich nimmt. Wer diese Erlösung für sich akzeptiert, den spricht Gott gerecht.

Paulus verdeutlicht diesen Vorgang mit Anspielungen auf den großen Versöhnungstag der jüdischen Tradition.

vertiefen

  1. Welche Fragen versucht Paulus in diesem Text zu beantworten?
  2. Wie wird ein Mensch von Gott gerettet?
  3. Warum war diese Argumentation für die Gemeinde in Rom und dann für viele Christen so wichtig?

anwenden

  1. Wer heute ungeschützt behauptet, dass jeder Mensch in seinem Kern ein Sünder ist, erfährt Kritik. Welche Hilfen bietet unser Text für ein solches Gespräch?
  2. Nur wer die eigene Schuld und den Zorn Gottes ernst nimmt, kann die Gnade verstehen. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
  3. Viele Christen haben eine "Macher-Mentalität": Sie versuchen mit allen Mitteln, von sich aus ein tadelloses Leben zu führen und dieses durch Regeln und Gesetze zu schützen. Was heißt es von unserem Text her, gnädig beschenkt zu sein? Welche Folgen im Alltag sind denkbar?
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Dr. Gyburg Beschnidt; Missionarische Gemeindedienste im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
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