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Teil 1 Große Texte der Bibel I:
Überblick Altes Testament
Einheit 18 Richtet das Recht wieder auf
Von Hannes Neubauer
lesen Amos 5, 4-24

Gelber Bleistif

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Arm und reich, Unterdrückung und Ausbeutung, Recht und Unrecht - das bestimmt oft genug das Leben der Menschen. Was Gott dann sagt, davon redet der Prophet Amos. Als wir vor einigen Jahren in einer Bibelgruppe den Text aus Amos 5 lasen, sagte ein Teilnehmer ganz spontan: "Das ist ja genauso aktuell und spannend wie eine Tageszeitung!"

erklären

Amos stammte aus Thekoa, einer bedeutenden Garnisonsstadt, etwa fünfzehn Kilometer südlich von Jerusalem, in der Nähe von Bethlehem. Vermutlich hatte Amos einen geachteten Beruf und ein gutes Auskommen. Dass so ein Mann der festgefügten bäuerlichen Bevölkerung Prophet wurde, war auf eine sehr eigenartige Berufung durch Gott zurückzuführen (vgl. 7, 14-15). So sprach Amos nicht aus eigener Vollmacht, sondern im Auftrag Gottes (vgl. 3, 8).

Amos wirkte während des jüdischen Königs Usia und des israelitischen Königs Jerobeam II. etwa zwei Jahre lang im Nordreich (ca. 760-758 v. Chr.). Sein Wirken spielte sich hauptsächlich in Samaria und in Bethel ab und wurde durch die Ausweisung durch den Priester Amazja beendet.

Unter dem König Jerobeam II. kam es im Nordreich zu einer letzten Blütezeit. Er konnte die von den Nachbarn Isarels eroberten Gebiete wieder zurückgewinnen. Auch wirtschaftlich nahm das Land einen Aufschwung, Handel und Gewerbe blühten. Es bildete sich eine begüterte Oberschicht, die in beträchtlichem Luxus lebte.

Auf diesem Hintergrund spricht der Prophet Amos sehr deutliche Worte gegen drei Missstände im Land:

1. Der entleerte Gottesdienst (V 4 - 6. 21 - 24)

V 5: Sucht nicht Bethel ... Gilgal ... Beerscheba. Die erwähnten Orte sind Mittelpunkte eines nur äußerlich intakten religiösen Lebens in Israel. In einem im hebräischen Text deutlich erkennbaren Wortspiel kündigt der Prophet das Gericht über diese Städte an.

V 21: Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Nicht den Gottesdienst an sich greift der Prophet an, sondern die Haltung der Israeliten, die Gott aus dem Gottesdienst verdrängt haben. Der Prophet nimmt daran Anstoß, dass sie, was zur Ehre Gottes dienen sollte, zur Selbstbeweihräucherung benutzt hatten. Gott wird nicht gespeist, sondern abgespeist (vgl. Hos 6, 6).

Die Wahrung der Form genügt eben nicht. Es geht um das Herz, den Willen, die Person und das Leben, das die Israeliten Gott vorenthalten (vgl. Jes 1, 11-17). Solange im Leben der Israeliten das Unrecht vorherrscht, kann es keinen in Gottes Augen richtigen Gottesdienst geben.

2. Die soziale Ungerechtigkeit (V 7. 10-13. 16-17)

V 12: Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viele sind. Die Verletzung der Rechte ist offenbar nicht mehr die Ausnahme. Die genannten Rechtsbrüche, Unterdrückung der Armen durch zu hohe Abgaben (vgl. 3. Mose 25, 35-37), Beeinflussung der Gerichtsbarkeit (vgl. 5. Mose 16, 18-19; 24, 17), weisen auf eine Verletzung des alten Bundesrechtes hin.

Amos verpflichtet seine Hörer nicht bloß auf das Gesetz, sondern auf den, der hinter dem Gesetz steht, nämlich Gott selbst, der mit dem Volk einen Bund schloss. Aber die Anklage ist deshalb drohend, weil nicht irgendwer, sondern gerade die maßgeblichen Männer in Israel die Gesetze des Bundes verletzt haben.

3. Die falsche Erwählungssicherheit (V 5. 18-20)

V 18: Weh denen, die des Herrn Tag herbeiwünschen! Dieser Tag war für die Israeliten ein Tag der Hoffnung auf die Rettung aus jeder feindlichen Bedrängnis Gott hatte das Volk Israel auserwählt, sein Volk zu sein. Aus diesem freien Geschenk Gottes hatte Israel dann eine Verpflichtung Gottes gemacht, die sie glaubten, einklagen zu können. Dass die besondere Nähe zu Gott auch besondere Verpflichtungen ihrerseits mit sich brachte, dieses Wissen war verlorengegangen.

Der einzigartige Stand des Volkes bringt auch ein besonders strenges Gericht mit sich, so lautet die erschreckende, bedrohliche Erwählungslogik Gottes (vgl. Am 9, 7-10). Israel muss sich auf die persönliche Begegnung mit Gott gefasst machen. Und dies ist eine Begegnung nicht zur Rettung, sondern zum Gericht, das als unausweichlich und unentrinnbar beschrieben wird (V 19). So bereite dich, Israel, und begegne deinen Gott! (Am 4, 12).

4. Trotz allem: Noch ruft Gott zur Umkehr

V 4: Suchet mich, so werdet ihr leben.

Hinter aller sehr ernsten Kritik und der berechtigten Gerichtsandrohung (die etwa 50 Jahre später in der Zerstörung des Nordreiches durch die Assyrer Wirklichkeit wurde) steht auch die Einladung zum Heil. Amos fordert seine Hörer auf, Gott zu suchen und umzukehren. Es gilt, in und hinter den Formen der Frömmigkeit den zu finden, der sich seinem Volk und uns Menschen in Liebe zuwenden möchte: Gott. Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt (V 14) - suchet Gott selbst!

bündeln

  • In drei Aufrufen fordert der Prophet seine Zuhörer zur Umkehr auf.
  • Der erste Aufruf fordert zur Erneuerung des religiösen Lebens auf, durch die Gott selber zum Lebensmittelpunkt des Volkes werden soll.
  • Der zweite Aufruf fordert die sittliche und soziale Erneuerung, indem das Volk wieder neu die Bestimmungen des Bundes mit Gott beachtet.
  • Der dritte Aufruf fordert das Überdenken des Verhältnisses zu Gott, indem die Verantwortung, die in der Erwählung durch Gott liegt, neu erkannt wird.
  • Der Ruf des Propheten zur Umkehr umfaßt aber auch eine Einladung zu Gott. Nicht das drohende Gericht, sondern die Liebe Gottes soll die Hörer zur Umkehr bewegen.

vertiefen

  1. Was erwartet Gott von seinem Volk? Sammelt unter jedem der drei Aufrufe die konkreten Verhaltenweisen, die das Volk ändern soll.
  2. Mit welcher Absicht predigt Amos diese Aufrufe?
  3. Welcher Unterschied besteht zwischen der "Heilssicherheit", die Amos anprangert, und der "Heilsgewissheit", wie Jesus sie in Johannes 5, 24 formuliert?

anwenden

  1. Welche Missstände, die Amos kritisiert, kennen wir aus unserer Gesellschaft?
  2. Wir leben, ähnlich wie die Menschen zur Zeit des Amos, in einer Wohlstandsgesellschaft. Warum fragen die Menschen, solange es ihnen gut geht, so wenig nach Gott?
  3. Wie können wir die trotz unseres Wohlstandes wachsende Ungerechtigkeit und Kriminalität erklären?
  4. Warum muss ein Mensch, der Mitglied einer christlichen Kirche ist, nicht zwangsläufig ein Christ sein?
  5. Wie reagieren wir als Christen, wenn andere Menschen ungerecht behandelt werden?
  6. Was können wir von Amos für unsere Gottesdienstgestaltung lernen?
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Dr. Gyburg Beschnidt; Missionarische Gemeindedienste im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
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