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Teil 1 Große Texte der Bibel I:
Überblick Altes Testament
Einheit 13 Alles hat seine Zeit
Von Karl Wlodarek
lesen Prediger 3

Gelber Bleistif

lernen

Der "Prediger", ein unbekannter Weiser aus vorchristlicher Zeit, sucht Antwort auf die Frage nach Inhalt und Wert der uns Menschen anvertrauten Zeit. Seine skeptisch-realistischen Gedanken sind für uns eine Herausforderung.

erklären

V 1: Ein jegliches hat seine Zeit. Was ist Zeit? Der Prediger philosophiert nicht über diese Frage, sondern weist auf das Leben hin, das aus einer Folge von Zeiten besteht, die ihren Inhalt haben.

V 2-8: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit ... (Gleich am Anfang nennt der Prediger die Begrenzungssteine, in denen sich der "Jahrmarkt des Lebens" abspielt. Mit der Geburt tritt der Mensch den Weg zum Sterben an. Es geht von einer Zeit zur nächsten Zeit und jeder Zeitabschnitt hat seinen unverwechselbaren Inhalt. In vierzehn Gegensatzpaaren schildert der Prediger das wechselvolle Leben. Positive und negative Erfahrungen lösen einander ab. Die immer wiederkehrende Feststellung, dass "ein jegliches seine Zeit hat", macht traurig - und tröstet zugleich. Es kommt dabei auf den Inhalt des Erlebens an. Welchen Gesamteindruck hat dieser weise Mann vom Leben?

V 9-15: Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Damit soll nicht behauptet werden, dass jede Arbeit erfolglos ist. Eine andere Übersetzung sagt es klarer: "Man arbeite, wie man will, so kann man doch nicht mehr ausrichten." Auch in seinem Schaffen sind dem Menschen von Gott, dem Herrn der Zeit, Grenzen gesetzt. Dass der Prediger die Arbeit als Plage (V 10b) empfindet, erinnert an 1 Mose 3, 17-19 (vgl. Einheit 2) Aber nun hat er offensichtlich Sorge, mit seiner pessimistischen Rede Gott in Misskredit gebracht zu haben Deshalb: Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt ... (V 11) Diese Aussage des Glaubens kann der Prediger nicht erklären. Viele Warum-Fragen verbinden sich damit. Er wischt sie alle vom Tisch mit dem Hinweis: Der Mensch kann das Werk, das Gott tut, nicht ergründen, weder Anfang noch Ende (vgl. Jes 55, 8). Dass der Schöpfer dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt hat, lässt ihn aber über seine Zeit hinausdenken, nach Bleibendem Ausschau zu halten.

Solche Fragen können sehr einsam machen. Dietrich Bonhoeffer hat es so durchlebt, als er im Gestapogefängnis über sich selbst nachdachte und schrieb: "Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott ". Wenn Gott in seinem Tun so dunkel bleibt, soll man dann resignieren? Keineswegs! Der Prediger hat erkannt, dass dieses zeitliche Leben ein Angebot Gottes zur Freude ist (V 12-13), wenn man es nur recht zu leben versteht. "Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste ..."(J. W von Goethe). Das ist möglich, wenn der schaffende und genießende Mensch nicht vergißt, wem er letztlich verantwortlich ist (V 14b). Gott fürchten heißt hier, nicht selber weise sein zu wollen, sich mit Leben und Lebenszeit aus Gottes Hand nehmen (vgl. Hiob 28, 28). Dann hat dieser sich ständig wiederholende Kreislauf aller Dinge (V 15) in Gott seine Mitte.

V 16-22: Weiter sah ich unter der Sonne ... Der Weise kommt jetzt noch auf ein uraltes Problem zu sprechen, auf die Frage der Rechtsprechung "Schurken, die Gott nicht fürchten" (Lamparter), haben hier das Sagen, Verbrecher im Richtergewand. Aber auch sie haben ihre Zeit. Noch mehr: Gott wird richten (V 17a). Schockierend ist die Folgerung, die der Prediger daraus zieht: Die Menschen sollen erkennen, dass sie dem Vieh nichts voraushaben. Sichtbar wird dieses Gleichsein im Sterben. Uns kommt dieser Vergleich gewiß widersprüchlich vor. Wenn Gott alles schön gemacht hat (V 11), ist doch solch ein Verenden wie die Tiere für den Menschen unbegreiflich. Doch Sterben und Sterben ist nicht dasselbe. Spricht man nicht gerade heute wieder davon, den Menschen die Möglichkeit eines würdigen Sterbens zu schaffen? Wie kommt der weise Mann nur auf so dunkle Gedanken? Er geht von der Erfahrung aus, dass Menschen und Tiere gleichermaßen wieder zu Staub werden (V 20; siehe 1. Mose 3,19), wenn man sie der Erde übergeben muss. Zaghaft nur äußert er eine ungewisse Möglichkeit, daß alles Leben wieder zum Ursprung zurückkehren könnte (V 21). So wendet er sich, wie schon einmal geschehen, wieder seinem Tagwerk zu, um das Beste aus seinem Leben zu machen.

bündeln

Für den "Prediger" ist das menschliche Leben:

  • eine Folge sich ständig ablösender Ereignisse, die an von Gott bestimmte Zeiten gebunden sind, eine Aufforderung, über das Zeitliche hinauszudenken und hinaus zu fragen, weil Gott die Ewigkeit in das Herz jedes Menschen gelegt hat,
  • eine Chance, sich durch Arbeit Freude am Dasein und am Genießen gottgegebener Gaben zu verschaffen,
  • eine Erfahrung, die Gott fürchten lehrt und so die Hoffnung weckt, am Ende zu ihm zu kommen.

vertiefen

  1. Was wird über das Leben des Menschen gesagt?
  2. Wie wird das Verhältnis Gottes zu dem Menschen beschrieben?
  3. Wie empfindet Ihr diesen Text?
  4. Was wird über die Zeit gesagt?

anwenden

Das Predigerbuch wird auch in unserer Zeit von nicht wenigen Menschen gelesen und in Büchern und Vorträgen oft zitiert. Von dieser skeptisch-realistischen Lebensanschauung fühlen sich viele angezogen. Über folgende Fragen sollten wir nachdenken:

  1. Die schnell dahineilende Zeit unsres Lebens führt nicht selten zu einer gottlosen "Torschlusspanik". Man möchte noch was vom Leben haben und ja nichts versäumen. Was bewahrt uns davor?
  2. Woran merken wir, dass uns Gott die Ewigkeit ins Herz gelegt hat? Was bedeutet diese Erkenntnis für Arbeit und Vergnügen?
  3. Gibt es wirklich nichts Besseres im Leben, als "fröhlich sein und sich gütlich tun" (Pred 3, 12.22)? Was sagt das Neue Testament darüber?
  4. Eine Frau sagt: "Ich lese diesen Text immer, wenn ich eine depressive Phase habe, denn dieser Text tröstet mich." Was ist an diesem Text tröstlich? Warum beeindruckt er Menschen heute?
  5. Gottesfurcht im Sinne der Bibel ist eine bewahrende Macht. Wovor kann und will sie uns bewahren?
  6. An welchen Stellen korrigiert das Neue Testament unseren Text? Christen haben z B. eine andere Sicht des Todes. Vgl. 1. Kor 15.
  7. Wir sind von Gott in die Zeit entlassen, wir werden von der Zeit mitgenommen und schließlich aus der Zeit in die Ewigkeit abberufen.
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Dr. Gyburg Beschnidt; Missionarische Gemeindedienste im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
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